Pressematerial zu den Nierenwochen 2012
09. bis 25. März
Meldung zum Weltnierentag 2012
„Sag ‚Ja’ zum Leben - sag ‚Ja’ zur Organspende“
Mit dem Aufruf „Sag ‚Ja’ zum Leben - sag ‚Ja’ zur Organspende“ startet die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) gemeinsam mit der Deutschen Nierenstiftung und der Deutschen Transplantationsgesellschaft zum Weltnierentag am 8. März eine deutschlandweite Informationskampagne. Umfragen zufolge sprechen sich 70% der Bevölkerung für eine Organspende aus, doch die wenigsten Menschen dokumentieren ihr ‚Ja’ schriftlich in einem Organspendeausweis. Dadurch gehen viele lebensrettende Spenderorgane verloren. Bundesweit warten derzeit etwa 12.000 Menschen auf ein Organ, davon rund 8.000 Patienten auf eine Niere. Die Warteliste ist lang und es dauert mehrere Jahre bis ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht. Deshalb sterben bundesweit im Durchschnitt jeden Tag drei Patienten, die nicht rechtzeitig transplantiert werden konnten.
Die Menschen zögern beim Thema Organspende, weil sie sich nicht mit dem Fall des eigenen Ablebens beschäftigen möchten und ein hohes Misstrauen bezüglich der eigenen medizinischen Versorgung herrscht. Doch wenn jeder einen Organspendeausweis hätte, selbst wenn sich einige darin gegen die Organentnahme aussprächen, würde sich die Zahl der Spenderorgane deutlich erhöhen und es könnten viele Menschen gerettet werden. Zudem stünden nicht mehr die engsten Angehörigen vor der schweren Entscheidung, ob der Verstorbene seine Organe hätte spenden wollen oder nicht. Deshalb wird derzeit an einer Neuerung des Transplantationsgesetzes gearbeitet. Bei einer Entscheidungslösung würde jeder Bürger gefragt, ob er seine Organe spenden möchte. Diese Entscheidung würde dann dokumentiert.
„Die Transplantationsmedizin hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. In Deutschland werden im Jahr ca. 3.000 Patienten transplantiert, wobei etwa 700 Nieren von Lebendspendern stammen. Die Langzeitüberlebensrate liegt hier bei 85%. Doch die Patienten warten durchschnittlich fünf bis sechs Jahre auf eine Niere, weil zu wenige Spenderorgane zur Verfügung stehen. Viele verlieren während dieser langen Zeit die Transplantierbarkeit, einige auch ihr Leben, “ schildert Prof. Dr. Jan Galle (Lüdenscheid), Sprecher der DGfN, die prekäre Situation. „Deshalb ist es wichtig, die Bürger umfassend zu informieren, ihnen Ängste zu nehmen und mit Vorurteilen und Mythen bezüglich der Organspende aufzuräumen. Jedes ‚Ja’ zur Organspende rettet Leben.“
Um den eklatanten Mangel an Spenderorganen zu mindern, klärt die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) gemeinsam mit der Deutschen Nierenstiftung und der Deutschen Transplantationsgesellschaft die Öffentlichkeit mit einer Flyeraktion auf. In Kooperation mit den Landesapothekerverbänden liegen in Apotheken in ganz Deutschland knapp 400.000 Flyer aus. Darin werden die Menschen zu den Themen Organspende und Nierentransplantation informiert und aufgefordert, zu Lebzeiten ihre persönliche Entscheidung mit einem Organspendeausweis zu dokumentieren.
Organspende in Deutschland
Mangel an Spenderorganen – ein eklatantes Problem und seine Lösungsansätze
Organtransplantationen gelten heute als ein etabliertes Behandlungsverfahren in der Medizin. Sie ermöglichen den betroffenen Patienten ein nahezu ‚normales’ Leben. Doch in Deutschland herrscht seit Jahren ein eklatanter Mangel an Spenderorganen und die aktuellen Zahlen aus 2011 sind rückläufig.
Bundesweit warten derzeit etwa 12.000 Menschen auf ein lebensrettendes Organ, davon rund 8.000 Patienten auf eine Niere. Die Warteliste ist lang und es dauert mehrere Jahre bis ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht. Deshalb sterben statistisch gesehen in Deutschland jeden Tag drei Menschen, denen nicht rechtzeitig durch eine Transplantation geholfen werden konnte.
Schwere Entscheidung für Angehörige
Die Mehrzahl der verpflanzten Organe stammt von hirntoten Patienten. Die Spender müssen zu Lebzeiten für den Fall ihres Todes der Entnahme ihrer Organe zugestimmt haben, zum Beispiel durch das Ausfüllen eines Organspendeausweises. Mit einem solchen Ausweis kann man sein Einverständnis geben, es auf bestimmte Körperteile eingrenzen oder gänzlich widersprechen. Wenn jeder einen Organspendeausweis hätte, selbst wenn sich einige darin gegen die Organentnahme aussprächen, würde sich die Zahl der Spenderorgane deutlich erhöhen und es könnten viele Menschen gerettet werden.
Umfragen zufolge sprechen sich etwa 70% der Bevölkerung für die Organspende aus, doch die wenigsten Menschen treffen eine Entscheidung und halten diese schriftlich fest. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod ist ein Tabu in unserer Gesellschaft und führt dazu, dass sich die meisten Bürger nicht mit dem Thema beschäftigen. Sie haben nur deswegen keinen Organspendeausweis, weil sie ‚noch nicht dazu gekommen sind’ − nicht etwa, weil sie gegen eine Spende wären.
Doch damit stellen sie im Falle ihres plötzlichen Ablebens nach derzeitiger Regelung ihre engsten Angehörigen vor eine schwere Entscheidung. Denn ist der Wille des Verstorbenen nicht bekannt, bestimmen sie, ob er seine Organe spenden wollte oder nicht.
Das persönliche ‚Ja’ oder ‚Nein’ zur Organspende
Aktuell strebt die Bundesregierung eine Regelung zur Erhöhung der Organspendebereitschaft an. Deshalb läuft derzeit das Verfahren zur Änderung des Transplantationsgesetzes (TPG). Mit dem Gesetzes- und Verordnungsentwurf soll die EU-Richtlinie 2010/53/EU umgesetzt werden. Angedacht ist unter anderem, dass die Krankenkassen alle Versicherten umfassend über die Organspende informieren. Zudem wird jeder Bürger aufgefordert, eine persönliche Entscheidung zu treffen. Dabei kann er einer Organspende zustimmen, sie ablehnen oder erklären, dass er sich zunächst nicht festlegen möchte.
An Stelle dieser Entscheidungslösung, die derzeit von Bundesgesundheitsministerium und Bundesrat favorisiert wird, wäre auch eine Widerspruchsregelung denkbar. Demnach ist jeder Bürger ein Organspender, es sei denn, er widerspricht. In Ländern mit einer gesetzlich verankerten Widerspruchslösung wie zum Beispiel Österreich und Spanien werden die höchsten Organspenderraten erzielt. Es könnte auch in Deutschland von einer Erhöhung der Organspenderzahlen um 20 bis 30% ausgegangen werden. Die Selbstbestimmung des einzelnen Bürgers würde nicht beeinträchtigt, da jeder Bürger der Organspende widersprechen kann.
Um den eklatanten Organmangel und damit auch den Mangel an Spendernieren zu beheben, befürwortet die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) die Einführung einer Widerspruchsregelung – oder auch eine klare Entscheidungslösung: „Bestünde die Pflicht eines jeden, sich auf ein ‚Ja’ oder ‚Nein’ bezüglich der Organspende festzulegen, könnte eine wesentliche Verbesserung der Situation erzielt werden. Einer solchen Entscheidungslösung würde auch die DGfN zustimmen. Besteht allerdings – wie derzeit angedacht - auch die Option, ein ‚Vielleicht’ zu wählen, wird die Mehrzahl der Menschen wie bisher eine Entscheidung vor sich herschieben. Damit handelt es sich dann lediglich um eine Scheininnovation und die Gesetzesnovellierung greift zu kurz, “ schätzt Prof. Dr. Reinhardt Brunkhorst, Präsident der DGfN, ein.
Nierentransplantation
Lebensspende ist beste Therapie bei Nierenversagen
Betrachtet man die Zahl aller Organtransplantationen, ist die Niere mit Abstand das Körperteil, welches am häufigsten durch eine Operation auf einen anderen Menschen übertragen wird. Dennoch sind die Wartelisten lang. In Deutschland warten etwa 8.000 Menschen auf eine Spenderniere, transplantiert werden pro Jahr jedoch nur rund 3.000 Patienten. Es dauert durchschnittlich sechs bis sieben Jahre, bis ein geeignetes Organ zur Verfügung steht.
Nierenersatztherapien: Dialyse und Transplantation
Die wichtigsten Aufgaben der Nieren sind die Entgiftung des Blutes und die Produktion von Urin. Versagen die Nieren, kann ihre Funktion durch ein maschinelles Blutreinigungsverfahren, die Dialyse, ersetzt werden. Es sichert das Überleben der Patienten, das Blut wird jedoch nur dreimal in der Woche für vier Stunden gefiltert. Die bessere Alternative ist ohne Zweifel die Nierenersatztherapie durch eine Transplantation einer Spenderniere. Sie ist der Funktion der eigenen, gesunden Niere am ähnlichsten und arbeitet rund um die Uhr. Doch aufgrund des eklatanten Mangels an Spenderorganen steht diese Therapieform nicht immer zur Verfügung.
Nierenspende zu Lebzeiten
Ein großer medizinischer Erfolg ist deshalb die Lebendspende. Etwa jede fünfte Niere, die transplantiert wird, stammt heute von einem lebenden Spender. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein gesunder Mensch bereits zu Lebzeiten einem Verwandten ersten Grades oder dem Lebenspartner eine Niere spenden. Dies ist möglich, weil jeder Mensch zwei Nieren hat, aber gut auch mit nur einer leben kann. Das zeigt auch der prominente Fall des SPD-Politikers Dr. Frank-Walter Steinmeier, der seiner schwer erkrankten Ehefrau Mitte 2010 eine Niere spendete und sie damit vor der Dialyse bewahrte.
Lebendnierenspender müssen als Voraussetzung zwei normal funktionierende Nieren besitzen. Sie dürfen weder an einer Herzkrankheit, Diabetes, Krebs, ansteckenden Krankheiten oder an übermäßigem Bluthochdruck leiden. Außerdem muss eine Gewebeverträglichkeit gegeben sein. Der Gesetzgeber hat 1997 mit dem Transplantationsgesetz den rechtlichen Rahmen für die Lebendspende geschaffen. Dadurch wird sichergestellt, dass sie nur auf freiwilliger Basis, ohne finanzielle Interessen und mit möglichst geringem medizinischem Risiko für den Spender erfolgt. Lebendnierenspenden weisen eine sehr gute Erfolgsquote auf. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate ist mit etwa 85% in der Regel besser als nach einer Transplantation einer Niere von einem verstorbenen Spender mit rund 70%.
Blutgruppenkompatible Lebendnierenspende
Ein weiterer großer Fortschritt und heute beinahe Standard ist die so genannte blutgruppenkompatible Lebendnierenspende. Früher war eine Transplantation medizinisch unmöglich, wenn Spender und Empfänger beispielsweise nicht die gleiche Blutgruppe hatten. Es bestand die Gefahr, dass der Körper des Empfängers das Transplantat abstößt. Seit einigen Jahren ist dieses Problem dank moderner Verfahren wie der Antikörper-Plasmapherese und neuer Medikamente zum größten Teil gelöst.
Immunsuppression nach Organspende
Die Abstoßung eines Spenderorgans ist eine natürliche Reaktion: Der Körper des Empfängers erkennt jede Spenderniere, und sei es auch eine von nahen Verwandten, zunächst als fremdes Gewebe. Deshalb schützt sich der Organismus davor wie normalerweise vor jedem Fremdkörper. Er versucht, sie mit Hilfe des Immunsystems zu bekämpfen. Heute gibt es jedoch Medikamente, die wirkungsvoll vor einer Abstoßung schützen, indem sie das Immunsystem „ausschalten“. Diese sind mittlerweile gut verträglich, müssen aber lebenslang von den Patienten eingenommen werden.
Normales Leben für Nierenspender
Für den Spender hat eine Lebendspende keine Nachteile. Ein gesunder Mensch braucht in der Folgezeit keine Beeinträchtigungen durch das Fehlen des Organs befürchten. Die verbleibende Niere genügt für ein normales, langes Leben.
Weltnierentag 2012 klärt auf:
Ein ‚Ja’ zur Organspende rettet Leben
Folgt man aktuellen Umfragen, sprechen sich 70% der Bevölkerung für eine Organspende aus, doch die wenigsten Menschen dokumentieren ihr ‚Ja’ schriftlich. Dadurch gehen viele lebensrettende Spenderorgane verloren, was bedeutet, dass in Deutschland im Durchschnitt jeden Tag drei Menschen sterben, weil sie nicht rechtzeitig transplantiert werden konnten.
Öffentliche Aufklärung ist wichtig
Die Menschen zögern beim Thema Organspende, weil sie sich nicht mit dem Fall des eigenen Ablebens beschäftigen möchten und ein hohes Misstrauen bezüglich der eigenen medizinischen Versorgung herrscht. Die Verunsicherung kann nur durch eine umfassende öffentliche Aufklärung der Bürger gemindert werden. Egal, ob der Wille zur Organspende wie bisher freiwillig in einem Organspendeausweis dokumentiert wird oder jeder Bürger zukünftig verpflichtet ist, sich für oder gegen die Entnahme seiner Organe im Todesfall zu entscheiden – die Basis für ein ‚Ja’ oder ‚Nein’ zur Organspende ist, dass die Menschen hinreichend informiert sind.
Mit Vorurteilen aufräumen
Vor allem folgende Vorurteile und „Mythen“ gilt es auszuräumen. Sie sorgen noch heute dafür, dass viele Menschen Bedenken haben, einen Organspendeausweis auszufüllen:
● Vorurteil: „Dann bin ich auch Jahre später auf diese Entscheidung festgelegt“
Jeder kann jederzeit seine Entscheidung überdenken, verändern und neu dokumentieren.
● Vorurteil: „Dann wird mir bei schwerer Erkrankung nicht geholfen“
Jeder Arzt handelt nach dem Hippokratischen Eid und ist verpflichtet, jedem Menschen die bestmögliche medizinische Versorgung zukommen zu lassen.
● Vorurteil: „Mir werden die Organe entnommen, obwohl ich vielleicht gar nicht
richtig tot bin“
Bevor Organe entnommen werden, muss der Tod von zwei dafür qualifizierten Ärzten unabhängig voneinander festgestellt werden.
● Vorurteil: „Durch eine Transplantation greifen Menschen in den Willen Gottes ein“
Viele Weltreligionen wie das Christentum und der Islam sehen die Organspende als Akt der Nächstenliebe und befürworten sie nachdrücklich.
Neutrale Informationen als Basis der Entscheidung
Um den Menschen mehr Sicherheit zu geben, ist es wichtig, dass ihnen die Ängste und Zweifel zum Thema Organspende durch neutrale Informationen von einer unabhängigen Stelle genommen werden. Nur so kann eine Basis für die Entscheidung eines jeden Einzelnen geschaffen werden. Jedes ‚Ja’ zur Organspende rettet Menschenleben.
Kampagne „Sag ‚Ja’ zum Leben – Sag ‚Ja’ zur Organspende“
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) möchte deshalb als medizinische Fachgesellschaft auf dem Gebiet der Nierenheilkunde ihren Beitrag zur Aufklärung der Öffentlichkeit leisten. Gemeinsam mit der Deutschen Nierenstiftung und der Deutschen Transplantationsgesellschaft hat die DGfN eine Kampagne unter dem Motto „Sag ‚Ja’ zum Leben – Sag ‚Ja’ zur Organspende“ ins Leben gerufen. Zum Weltnierentag am 8. März 2012 führen sie eine Flyeraktion in Zusammenarbeit mit zehn Landesapothekerverbänden durch. Dank der Kooperation liegen deutschlandweit fast 400.000 Flyer zum Thema Organspende und Nierentransplantation aus. Der Weltnierentag ist eine Aktion der internationalen Nierengesellschaften und -stiftungen, an der sich die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) und ihre Partnerorganisationen aktiv beteiligt.







