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05.Sep.2011
Informationen für Interessierte und Betroffene

Immunsuppressiva

Warum Immunsuppressiva?


Für viele Patienten ist die Organtransplantation eine lebensrettende Maßnahme. Für Dialysepatienten ist es die Möglichkeit wieder eine wesentlich höhere Lebensqualität ohne die zeitaufwendigen Blutwäschen zu haben. Doch eine Transplantation bedeutet auch lebenslang notwendige Medikamente zum Schutz des neuen Organs einzunehmen. Da Empfänger und Spender des Organs unterschiedliche Gewebe- und Blutgruppenmerkmale haben, erkennt der Organismus des Empfängers das neue Organ als fremd und sein Immunsystem (das v. a. aus B- und T-Zellen besteht) versucht das fremde Gewebe abzustoßen. Immunsuppressiva sind Medikamente, die diese Abstoßungsreaktion hemmen, indem sie das körpereigene Abwehrsystem, das Immunsystem, unterdrücken und damit das transplantierte Organ erhalten.

Es gibt aber auch Erkrankungen, bei denen eine Störung des Immunsystems dazu führt, dass Immunsuppressiva eingenommen werden müssen. Diese Autoimmunerkrankungen können die Haut (z. B. Psoriasis bzw. Dermatitis), die Gelenke (z. B. rheumatoide Arthritis) oder die Niere (z. B. Morbus Wegener) betreffen.

Welche Immunsuppressiva gibt es?


Es gibt verschiedene Wirkstoffgruppen, die als Immunsuppressiva zum Einsatz kommen: Calcineurininhibitoren, Corticosteroide, Proliferationshemmer, mTOR-Inhibitoren und Antikörper. Alle Immunsuppressiva greifen auf unterschiedliche Art und Weise in die Funktion und Proliferation der B- und T-Zellen ein. In der Transplantationsmedizin versucht man mit der Kombination verschiedener Wirkstoffe eine optimale Unterdrückung des Immunsystems zu erzielen und zugleich die Nebenwirkungen der einzelnen Medikamente zu verringern. Welche Medikamentenkombination und -dosierung am besten geeignete ist, entscheiden die Ärzte für jeden Patienten individuell.

Calcineurininhibitoren (CNI)

Der erste Wirkstoff aus dieser Gruppe war Ciclosporin (Sandimmun®, Sandimmun® Optoral, Ciclosporin Pro). Die Entdeckung von Ciclosporin revolutionierte die Organtransplantation, da es den damals bekannten Wirkstoffen überlegen war und die Überlebenszeit der transplantierten Organe wesentlich erhöhte. Ein weiterer Calcineurininhibitor ist Tacrolimus (Prograf®, Advagraf®, Tacrolimus Hexal). Sowohl Ciclosporin als auch Tacrolimus hemmen die Bildung bestimmter Zytokine, die als Botenstoffe die Immunabwehr steuern.

Corticosteroide

Glucocorticoide wie Prednison oder Prednisolon (Decortin®, Urbason®) haben eine stark entzündungshemmende Wirkung und werden daher als Basismedikament eingesetzt.

Proliferationshemmer

Diese Substanzen (Imurek®, Cellcept®, Myfenax® Myfortic®) verhindern die Teilung von B- und T-Zellen, indem sie Bildung neuer DNA verhindern. Sie werden in der Regel in Kombination mit einem CNI eingesetzt.

mTOR-Inhibitoren

Sirolimus (Rapamune®) und Everolimus (Certican®) verhindern die Funktion der B- und T-Zellen in einer ähnlichen Weise wie Calcineurininhibitoren, aber mit einem anderen Zielmolekül.

Antikörper

Antikörper verhindern die Aktivierung von Immunzellen. Da sie sehr stark wirken, werden sie vor allem in der Therapie akuter Abstoßungsreaktionen und sehr schwerer Fälle von Autoimmunerkrankungen eingesetzt.

Welche Nebenwirkungen können entstehen?


Durch die Einnahme von Immunsuppressiva können u. a. die Nieren- und Leberfunktion beeinträchtigt werden, es kann zu Stoffwechselstörungen (erhöhte Blutfettwerte, Neigung zu Diabetes) und Magen-Darm-Beschwerden kommen.
Durch das unterdrückte Immunsystem kann es auch leichter zu Infektionen (durch Bakterien, Viren und Pilze) und dem Auftreten von Tumoren (insbesondere der Haut) kommen. Falls bei Ihnen Nebenwirkungen auftreten, sollten Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen; auf keinen Fall sollten Sie Ihre Medikation selber ändern oder absetzen.

Was muss man sonst beachten?


Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig und nur in der vom Arzt vorgegebenen Dosierung ein. Sorgfältige Körper- und Zahnpflege sowie Hygiene können vor Infektionen schützen. Um das Risiko von Hautveränderungen zu minimieren, sollten Sie übermäßige Sonneneinstrahlung meiden, regelmäßig Sonnenschutzcreme benutzen und Ihre Haut vom Hautarzt überprüfen lassen.

Generische Immunsuppressiva?


Wenn der Patentschutz für Medikamente abgelaufen ist, dürfen diese auch von anderen Firmen auf den Markt gebracht werden. In der Regel werden sie kostengünstiger und zuzahlungsfrei angeboten. Diese, als Generika bezeichneten Präparate, sind geprüfte und zugelassene Arzneimittel, die im Allgemeinen eine gleiche Sicherheit und Zuverlässigkeit wie die Original-Medikamente aufweisen. Einige Generika wurden auch bei transplantierten Patienten in klinischen Studien getestet. Dennoch stellt sich bei Immunsuppressiva oft die Frage – ist das Generikum genauso sicher wie mein ursprüngliches Medikament?

Vertrauen Sie Ihrem Arzt, er ist über die verschiedenen Medikamente gut informiert und wird Ihnen das richtige Medikament verordnen.
Als transplantierter Patient sind Sie es gewöhnt, dass regelmäßig die Blutspiegel Ihrer Immunsuppressiva kontrolliert werden. Dies ist notwendig, da einige dieser Medikamente nur in einem engen therapeutischen Bereich richtig wirken. Egal ob Sie ein Original oder ein generisches Medikament einnehmen, müssen diese Kontrollen durchgeführt werden, um das Risiko für eine Abstoßung Ihres Organs zu vermindern.

Die Umstellung von einem Original auf ein generisches Präparat sollte nur Ihr in der Transplantationsmedizin erfahrener Arzt vornehmen. In der Apotheke können Sie darauf achten, dass Sie immer das auf dem Rezept verordnete Präparat erhalten. Zur Sicherheit kann Ihr Arzt das sogenannte "aut idem" - Kreuz setzen, das einen Austausch der Medikation in der Apotheke verhindert.

Ablauf einer Immunreaktion


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Bei einer Immunantwort laufen im Körper komplexe Reaktionen ab, die durch Immunsuppressiva gehemmt werden können.

Hier finden Sie die Broschüre als
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